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Sprachwandel oder Übergeneralisierung?

rieker-Werbung an der Venloer Straße in Köln

Im Artikel „Günther‘s?“ brach ich letztens noch eine Lanze für die als Deppenapostroph verschrieene Kombination aus Wort, Apostroph und Genitiv-s. Tatsächlich erlaubt der Duden, das Genitiv-s bei Personennamen mit Apostroph abzutrennen. Falls Sie gerade die Stirn runzeln, lesen Sie gerne dazu meinen Blogbeitrag mit dem Titel „Günther’s?“.

Aber rieker übertreibt‘s! Denn bei dem Wort Köln handelt es sich zwar um einen Eigen-, aber mitnichten um einen Personennamen. Die Duden-Regel D16.2 greift hier also nicht.

Wie konnte es also zu diesem Fauxpas kommen?

Beim Sprachenlernen kennt man das: Man beherrscht eine Regel und wendet diese auch auf Wörter an, die von der Regel ausgeschlossen sind. Übergeneralisierung sagt die Linguistik dazu. riekers Werbebeispiel könnte demnach eine Form der Übergeneralisierung sein.

Oder die zweite Möglichkeit: Das bei Personennamen mit Apostroph abgetrennte Genitiv-s erfährt eine Erweiterung und wird nach und nach auch bei weiteren Substantiven abgetrennt. Die Duden-Regel D16.2 existiert nur noch auf dem Papier und dann nicht mal mehr da. Ein klassischer Fall von Sprachwandel.

Meine Meinung: Übergeneralisierungen sind natürlich zu vermeiden und lässt ein großes Unternehmen wie rieker nicht gut aussehen. Ob das – auch wegen des anderen Fehlers und der Schreibweise des Markennamens (s. meinen Nachtrag zu diesem Artikel) – ein offiziell genehmigtes Plakat aus riekers Marketingabteilung ist? Ich hoffe nicht.

Sprachwandel ist gar nicht so negativ, wie er oft dargestellt wird. Es handelt sich dabei nicht um eine „Verhunzung der Sprache“. Sprachen sind lebendig. Sie sind im Fluss, sind Spiegel des Lebens. Wörter neuer Technologien werden implementiert, Wörter vergangener Zeiten verschwinden, Grammatik verändert sich. Lesen Sie mal ein Buch aus Goethes Zeit oder gerne auch älter …

Sprachwandel ist gut. Nur ob rieker da ein Vorreiter sein soll, lasse ich mal offen.

Kleiner Nachtrag: Die falsche Schreibweise des Determinativkompositums und die unterschiedliche Schreibweise des Markennamens sind eigene Artikel wert, bleiben aber hier unerwähnt.

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