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Günther‘s?

Tja, hier kommt wohl vermeintlich der Klassiker der neueren Rechtschreibfehler: das Genitiv-s. In letzter Zeit scheinen sich die Fälle zu häufen, in denen das Genitiv-s gern mit einem Apostroph vom Substantiv getrennt wird. Das Substantiv lässt sich in diesem Fall noch spezifizieren. Es ist – wie übrigens in den meisten Fällen – ein Eigenname. Und das gibt vielleicht auch schon einen Hinweis darauf, wie es dazu kommen konnte. Man möchte den Eigennamen auf den ersten Blick erkennbar lassen.

Dem aufmerksamen Leser/der aufmerksamen Leserin wird es nicht entgangen sein, ich formuliere sehr vorsichtig: wohl vermeintlich, scheinen. Denn – und jetzt kommt das große Aber – Günther macht alles richtig. Jawohl, Günther beherrscht die deutsche Rechtschreibung besser als alle, die sich darüber echauffieren. Sie ziehen ungläubig die Augenbraue hoch? Ja, es tut mir leid. Auch ich mag diese Trennung des Genitiv-s‘ nicht und finde sie einfach unästhetisch. Aber die Wahrheit ist hart. Der Duden legitimiert den nun also völlig zu Unrecht verschrieenen Deppenapostroph und rehabilitiert alle Günther’s, Heike’s und Willi’s dieser Welt. Lesen Sie mal hier unter D16 2.: https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/apostroph

Und falls Sie sich nun erstmal setzen mussten, lesen Sie doch gern auch den folgenden Artikel. Das von mir geschätzte Magazin der Süddeutschen Zeitung zeigt mit einem kurzen historischen Abriss, dass Günther sogar in der Tradition von Goethe und Mann steht: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/wortewandel-sprachkolumne/und-helga-hat-doch-recht-84032

Hässlich dürfen Sie die Trennung von Eigenname und Genitiv-s natürlich immer noch finden.

2 Kommentare

  1. Moin, natürlich kann man geteilter Meinung darüber sein, ob ein Genitiv-s mit Apostroph sinnvoll ist zur Verdeutlichung des Eigennamens. Unbestreitbar ist aber, dass es für den typografisch richtigen Apostroph keine Alternative gibt.
    In dem gezeigten Beispiel von »Günther’s Schnäppchenkeller« handelt es sich um einen Wortabstand mit Akzent und in der Headline zu diesem Blogbeitrag findet die einfache schließende Anführung Verwendung.
    Beides ist definitiv falsch! Den einzig wahren typografisch richtigen Apostroph erkennt man daran, dass er wie ein hochgestellte Komma aussieht – und nicht anders. Der sogenannte »gerade Apostroph« ist zwar laut Duden auch korrekt, wird aber in Fachkreisen auch gerne als »Tippsenapostroph« geschmäht.

    • Bernadette Bernadette

      Hallo Roland,

      den „Tippsenapostroph“ kannte ich noch gar nicht. Danke dafür!
      Das stimmt, dass Günther keinen typografisch korrekten Apostroph verwendet hat. Hier wären unterschiedliche Hintergründe denkbar: Vielleicht hat Günther wirklich keinen blassen Schimmer von Satzzeichen und bei der Gestaltung einfach mal das ausgewählt, was seiner Meinung nach am besten aussah. Oder aber er hat sein Angebot drucken lassen und im Copyshop gab es kein einziges Gerät, das einen vernünftigen Apostroph hatte. Da wurde eben improvisiert. Ein Beispiel dazu: Dem iPhone fehlt der Gedankenstrich – ein Binde-strich hingegen ist vorhanden. Diese Szenarien kamen mir jedenfalls direkt in den Sinn.

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