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„Fach-be-trieb“ – zwinker, zwinker

Die Gebrüder A. und H. werben auf ihren Fahrzeugen damit, dass sie ein „Fachbetrieb der Tischlerinnung“ seien. Hatten Sie gerade auch vor Augen, wie Hände Anführungszeichen in die Luft schreiben und die Stimme den „Fach-be-trieb“ übertrieben betont? Ja? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Der Mehrheit einer nicht repräsentativen Befragung in meinem Freundeskreis geht es ebenso und auch der Instagram-Account awkward_anfuehrungszeichen zeugt von dem Befremden, Anführungszeichen als etwas anderes als für die wörtliche Rede zu verwenden.

Der Duden als Leitwerk für regelkonformes Schreiben gibt hier Regeln vor, die ich kurz zitiere:

„D7: Anführungszeichen stehen vor und hinter wörtlich wiedergegebenen Äußerungen und Gedanken […] sowie wörtlich wiedergegeben Textstellen […].

[…]

D8: Anführungszeichen können Wörter oder Texte einschließen, die hervorgehoben werden sollen […]. Dazu gehören:

1. Wortteile, Wörter oder Textstücke […], über die man eine Aussage machen will;

Zum Beispiel:

In dem Wort ,Tri’athlon steckt das griechische ,tri‘ (=drei).

[…]

2. ironische Hervorhebungen;

[…]

3. zitierte Werkstücke, Überschriften […], Namen von Zeitungen o. Ä.“ (https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/anfuehrungszeichen)

Klar ist wohl, die Gebrüder A. und H. wollen die Mitgliedschaft in der Tischlerinnung als eine Auszeichnung verstanden wissen, die zeigt, dass sie ihr Handwerk verstehen. D8, 1. greift hier aber nur unzureichend, da keine weitere Aussage wie bspw. in dem Beispielsatz getätigt wird. Für viele Menschen scheint eher D8, 2. – die ironische Hervorhebung – vorzuliegen. Und so sorgen A. und H. auf jeden Fall für ein Schmunzeln und Rätselraten, um was für einen „Fach-be-trieb der Tisch-ler-inn-ung“ es sich hier wohl handelt. Zwinker, zwinker.

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